Nachdem die Saarländischen Herzgruppen in den Jahren 2015 bis 2019 zwei Studienprojekte zum Thema Pedelecnutzung in Herzgruppen erfolgreich beendet haben (Herz.BIKE Saar I und Herz.BIKE Saar II – HI-Herz.BIKE Saar), sollen nun in einem größeren Projekt und unter Kontrolle eines wissenschaftlichen Beirats die Herzgruppen als etablierte Einheiten selber Gegenstand eines Forschungsvorhabens sein.

Die Basis dieses Vorhabens ist, dass für diese spezielle Form der Rehabilitation (Phase III; Wohnortrehabilitation, Herzgruppenarbeit) trotz ihres inzwischen 40jährigen Bestehens kaum belastbare Daten zur Effizienz und auch Evidenz des Trainings und der medizinischen Daten vorliegen. Zwar gibt es sporadische Untersuchungen dazu, die lange, teils fast 20 Jahre, zurückliegen und die widersprüchliche Ergebnisse enthalten, doch sind die entscheidenden Untersuchungen zu Wirksamkeit und Effektivität mit Blick auf Mortalität, Morbidität und Prognose der jeweiligen Grundkrankheiten im internationalen Schrifttum publiziert worden, wobei außerhalb Deutschlands die Rehabilitation anders verläuft und daher ein Vergleich so verschiedener Ansätze nicht unbedingt möglich ist.

In Deutschland verläuft Rehabilitation in mehreren diskreten Schritten von der stationären Akut-Rehabilitation (I) über die stationäre – und teils auch ambulante Reha in der Rehaklinik (II) bis zur Wohnortreha in den so genannten Herzgruppen (III). Gerade letztere ist in den letzten 40 Jahren einerseits zu einem etablierten Modell mit mehr als 6000 Gruppen bundesweit gereift, doch wurden andererseits Untersuchungen zur Effizienz bisher vorwiegend im Bereich der stationären Reha vorgelegt (Gohlke et al, 2000). Arbeiten von Buchwalski 2002, Bjarnason 2004, Bjarnason und Karoff 2007 weisen zwar bei Herzgruppenteilnehmern durchaus Effekte hinsichtlich Belastbarkeit und Lebensqualität nach, aber eine neuere DGPR-Studie als Fragebogenaktion von Haberecht (2013) weist demgegenüber nach, dass die positiven Effekte der Rehaphase II hinsichtlich der kardialen Risikofaktoren „verpuffen“.

Bjarnason schreibt 2007: „Um allerdings endgültige und valide Aussagen treffen oder genaue Empfehlungen aussprechen zu können, fehlen klassische prospektive Kohortenstudien speziell an Herzgruppenteilnehmern zum Erfolg einer solchen Rehabilitationsmaßnahme. Hier könnte nur eine bundesweite Multizenterstudie gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse bringen. Eine solche Untersuchung wäre auch für die Krankenkassen von Bedeutung, damit evidenzbasierte Argumente zur Finanzierung vorliegen„.

Besondere Beachtung verdient die 2015, also neuerdings, publizierte Inauguraldissertation von Baumgartner (Langzeiteffekt ambulanter Herzgruppentherapie auf körperliche Belastbarkeit und kardiovaskuläres Risikoprofil). Aus dieser geht hervor, dass – wenigstens für den Bereich der TU München –  die Herzgruppen, so wie sie derzeit arbeiten, in beträchtlichem Maße ineffizient sind. Dies alarmierende Ergebnis einer sorgfältigen Recherche und Untersuchung war für den kritischen Beobachter zwar erwartbar.  Da aber die Herzgruppenarbeit auch Kosten im Gesundheitssystem verursacht, sind Aufarbeitungen, Analysen und daraus sich ergebende Änderungen im Ablauf dringend notwendig, 

Aus alledem kann man schließen, dass es an der Zeit ist, eine solche Studie mit RCT-Design für das Saarland aufzulegen. Dieses Ziel hat sich das Projekt Herz.AKTIV Saar gesetzt.

Literatur