Zusammenstellung des aktuellen Sachstandes einer älteren Methode, die neue Aspekte erkennen läßt.

Die Herzfrequenz-Variabilität (HRV) ist eine Sammlung von seit langem eingeführten Messgrößen zu Bestimmung der sog. neurovegetativen Aktivität des Herzens. Diese Größen haben als Parameter der Trainings- und Stress-Messung gerade bei Herzkrankheiten (Herzinfarkt, Herzinsuffizienz) und der sportlichen Betätigung (körperlicher Aktivität) eine gewisse, jedoch nicht abschließend etablierte Bedeutung erlangt.

In dieser Grafik ist Mortalität als Überlebensrate in mehreren Kaplan-Meier-Plots über die Zeit dargestellt und zeigt einen Zusammenhang zwischen der Höhe der SDNN (Standardabweichung der RR- oder NN-Abstände) und der Überlebensrate in der Weise, das eine Abnahme der SDNN mit einer Senkung der Überlebensrate einhergeht (1).

Neuerdings werden die Parameter der HRV auch zur Früherkennung von kardiovaskulären Risiken eingesetzt, doch fehlen hierzu Basisbefunde und Evaluationsschritte, also klinische Studien u.a. mit dem Ziel und der Fragestellung, ob diese neue Methode auch klinisch ausreichend aussagekräftig und einsatzfähig ist und reproduzierbare Ergebnisse liefern kann.

Nimmt man den Kernparameter der HRV, die Standardabweichung der RR-Abstände, gemessen über wenigstens 5 min, die sog. SDNN, kommt man in einer Arbeit aus dem Jahre 1987 (1) zu einem interessanten Ergebnis. Die Überlebensrate nach Herzinfarkt steigt mit hoher SDNN, während sie mit niedriger SDNN sigifikant abnimmt. Diese „alte“ Arbeit wurde inzwischen in einer Publikation von 2007 (9) bestätigt.

Um Risiken und Effekte bei der Trainingsarbeit der Herzgruppen zu messen, wäre eine Erfassung solcher Parameter wahrscheinlich nützlich und könnte in die Gesamtbewertung des Trainings einfließen. Denn es gibt Hinweise darauf, dass moderates Training etwa bei Herzgesunden zu einer Absenkung der HRV führt – als Ausdruck einer gesteigerten vegetativ-vagalen Aktivität – ist es ein Trainingseffekt (6)?

Hier ergibt sich ein Widerspruch: einerseits ist eine Abnahme der SDNN und damit eine gesteigerte vagovasale Aktivität (Bradycardieneigung? Arrhythmogenität? andere Risikofaktoren – Stress, psychosoziale Einflüsse?) Hinweis auf eine verminderte Überlebensrate, andererseits könnten diese Änderungen auch Parameter eines Trainingseffektes sein (7), allerdings bei Herzkreislaufgesunden. Hier besteht Klärungsbedarf, denn der Trainingseffekt besetht ja eben in einer Senkung der HF. Die AHG-TN sind in der Regel NICHT herzgesund. Betablocker-Rolle?

Zu solchen oder ähnlichen Fragestellungen sollte der WBR Vorschläge entwickeln, die dann wahrscheinlich in eine Pilotstudie oder ein RCT münden.

Die Fa. INFARCTPROTECT hat bereits weitreichende Vorarbeiten zur klinischen Anwendung, insbesondere einer Risiko-Früherkennung z.B.beim Herzinfarkt geleistet und wird daher für ein zukünftiges Projekt faktisch und fachlich eingeschlossen.
Das dort angebotene, bereits in Praxen niedergelassener Ärzte eingesetzte System verfügt über eine IOS-App mit sehr kleinem EKG-Aufnehmer, die sofort einsetzbar ist. Es wird dabei eine sog. Sinus-Rhythmus-Analyse durchgeführt, die die HRV-Daten enthält und die auf einem firmeneigenen Server weiterverarbeitet werden.. Leider werden auf der Website keine Literaturangaben (eigene Publikationen oder Fremdliteratur) gemacht, sodass sich die Validität der neuen Methode zumindest dort nicht überprüfen läßt.

Auf einer HGS-Sitzung am 27.6.2024 mit der Firma wurde weitere Einzelheiten besprochen.

HRV Präsentation…